Wettkampfangst besiegen: Woran du sie erkennst und womit du anfangen kannst
Von Cla Mosca, Snowboard-Weltmeister 1993
Etwas Aufregung gehört zu jedem Wettkampf. Wettkampfangst ist mehr, und sie fällt oft erst auf, wenn sie schon länger da ist. Sie zeigt sich im Körper, in den Gedanken und in deinem Verhalten. Hier steht, woran du sie erkennst und womit du heute anfangen kannst.
Woran du Wettkampfangst im Alltag erkennst
Wettkampfangst beginnt selten am Start. Meist beginnt sie Tage vorher und zeigt sich an drei Stellen.
- Körper: Herzklopfen schon beim Gedanken an den Wettkampf, flache Atmung, ein Druck im Magen, verspannte Schultern, unruhiger Schlaf in den Nächten davor.
- Gedanken: Die gleichen Fragen laufen im Kreis. Was, wenn ich versage? Was denken die anderen? Was erwarten Trainer und Eltern von mir? Der Blick geht zu den Gegnern und zur Rangliste, kaum noch zu deiner Aufgabe.
- Verhalten: Du suchst kurz vor dem Start Gründe, nicht zu fahren, wiederholst Rituale immer länger oder fährst im Wettkampf vorsichtiger als im Training.
Wenn du dich in mehreren Punkten wiederfindest, lohnt sich ein genauer Blick.
Aufregung und Angst unterscheiden sich
Das ist meine Einordnung aus der Arbeit mit Sportlern, keine medizinische Definition. Aufregung fühlt sich oft nach Anspannung und Vorfreude an. Sie bringt Energie, und sie legt sich meist, sobald es losgeht. Angst bleibt länger. Sie dreht sich um das, was schiefgehen könnte, und sie kann dir die Energie nehmen, die du im Training aufgebaut hast.
Ein Test dafür: Hilft dir die Anspannung beim Start, oder steht sie dir im Weg? Wenn sie dich bremst, ist sie ein Thema, das du angehen darfst.
Was du sofort selbst anschauen kannst
Du brauchst dafür keinen Termin. Nimm dir zehn Minuten, einen Stift und diese Fragen:
- Wann taucht es zum ersten Mal auf: eine Woche vorher, am Vorabend, am Start?
- Wo spürst du es zuerst im Körper?
- Welcher Gedanke läuft dabei, und wie lautet er wörtlich?
- Was tust du, um dem Gefühl auszuweichen?
- In welchem Training fühlt es sich anders an, und was ist dort anders?
Schreib die Antworten auf. Dann siehst du, wo es zuerst ansetzt. Meist folgt es einem Muster, und ein Muster lässt sich bearbeiten.
Wettkampfangst und die fünf inneren Antreiber
Hinter dem Gedanken, den du aufgeschrieben hast, steckt oft ein innerer Satz. Antreiber sind innere Sätze, die früh entstehen, meist schon in der Kindheit. Sie wirken wie Imperative. Man hat in der Transaktionsanalyse fünf identifiziert: Mach es allen recht, streng dich an, sei perfekt, sei stark und mach schnell. Wie stark jeder einzelne bei dir ausgeprägt ist, kannst du einschätzen. Das Modell hilft dir beim Nachdenken über dich. Eine Diagnose ist es nicht. Die Antreiber sind eine Möglichkeit und der Start, hier fängt vieles an. Dazu kommen weitere Auslöser, etwa Trigger und unverarbeitete Misserfolge.
Ich war selber Trainingsweltmeister: Im entscheidenden Moment hat etwas gebremst. Bei mir standen solche Sätze mit am Start. Sie passen natürlich super zu Hochleistungssportlern, und genau darum fallen sie so selten auf.
In der Standortbestimmung für Sportler bewertest du zwölf Aussagen aus dem Sportleralltag auf einer Skala von 0 bis 10. Sie ist kostenlos und läuft in deinem Browser. Deine Antworten verlassen ihn nicht.
Der nächste Schritt
Wenn du dich im Alltag erkannt hast und an den Mustern dahinter arbeiten willst, schau dir auf der Seite zur Methode an, wie ich vorgehe. Der Einstieg ist ein Erstgespräch: 15 Minuten per Zoom, kostenlos. Wir schauen, wo du gerade stehst und was dich im Moment mental bremst. Danach weisst du, was ein nächster Schritt sein kann.